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E-Zigaretten - Tabakkonsum

Sind Tabakerhitzer weniger gesundheitsschädlich als Zigaretten?

Bei einer E-Zigarette wird über ein Akku-betriebenes Element aromatisierte Flüssigkeit (eLiquid Kapsel) erhitzt. Diese Liquidkapsel ist entweder nikotinfrei oder ihr kann 6, 12, oder 18mg/ml Nikotin beigesetzt werden. Die Liquidkapsel besteht aus 50% Glyzerin, 25% Wasser und 25% Propylenglycol. Es sind ca. 360 Atemzüge mit einer Kapsel möglich. 

Bei den Tabakerhitzern – von einem Markthersteller wie IQOS (= I quit ordinary smoking) – werden Tabakstifte (auch Heets genannt) auf 250-350 Grad Celsius erhitzt. Die Tabakstifte sind komprimierter aromatisierter Tabak und bestehen aus 25% Tabak, 44% Filtermaterial, 14% Papier, 6% Glyzerin und 0,3% Propylenglycol. Über Glyzerin als Trägersubstanz wird das Aerosol durch einen Polymerfilter zur Inhalation abgekühlt. Die Tabakstifte setzen etwa 0,5mg Nikotin frei, was vergleichbar ist mit einer handelsüblichen Light-Zigarette. Ein Stift reicht für ca. 6 Minuten oder ca. 14 Atemzüge.

Das Aerosol von Tabakstiften beschleunigt die Nikotinanflutung im Vergleich zur E-Zigarette, bei der Flüssigkeiten (Liquids) verdampft werden. Nach den Aussagen des Herstellers sollen die Schadstoffe von Tabakerhitzern um mehr als 90% gesenkt werden, das Suchtpotential im Vergleich zur herkömmlichen Zigarette ist jedoch unverändert. Andere Hersteller haben ein Heat-not-burn-Gerät mit dem Namen „Glo“ herausgebracht, welches bei uns noch nicht erhältlich ist. Bei der „Ploom Tech“ wird der Tabak durch heißen Dampf von 30 Grad Celsius erhitzt und somit das Aerosol mit Nikotin angereichert; dies ist eine Hybridtechnik aus Tabakerhitzer und E-Zigarette.

Für die Tabakerhitzer gibt es noch wenige unabhängige Studien zum Risikopotential. Bei den polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAH) soll es einen Verminderung des Schadstoffgehaltes von 90-99% geben, jedoch wurde eine Verdreifachung des Acenaphthen Gehaltes gemessen, wobei eine Schädigung des menschlichen Organismus  bis auf eine Reizung von Augen und Haut noch unklar ist (Institut für Arbeitsschutz 2018). Für die flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) konnte nur eine Reduktion von 26% und für Acrolein von 18% festgestellt werden (Auer et al. 2017) im Vergleich zu den Angaben des Herstellers von 90% und 93% (Smith et al. 2017). Im Tabakerhitzer sind zwar keine Verbrennungsprodukte enthalten jedoch sollen substantielle Mengen durch den Pyrolyseprozess (Erhitzung ohne Sauerstoff) entstehen. Diese sollen nach dem Bundesinstitut für Risikoforschung (BfR) das Krebsrisiko beeinflussen können (Gießelmann 2017). Insgesamt soll bei den Mutagentesten die tabakfreie E-Zigarette im Vergleich zum Takaberhitzer ein geringeres Risiko haben. Unklar ist, ob nicht andere ebenfalls schädliche Substanzen entstehen, die beim Zigarettenrauch nicht vorhanden sind. Fraglich ist auch, ob nach einer ungenügenden Reinigung des Heizgerätes bei einem Tabakerhitzer Tabakreste nicht noch weiterkokeln und somit die Raumluft belasten könnten (Chambers 2015). In wie weit die E-Zigarette oder der Tabakerhitzer als Einstiegsdroge für Nieraucher dient, wird derzeit diskutiert (Gateway Effekt). In der Zukunft ist zu klären, ob durch die Schadstoffreduktion auch eine Verminderung der Erkrankungen eintritt, da sich mit der Schadstoffreduktion keine proportionale Verminderung der gesundheitlichen Risiken ableiten lässt (Li et al. 2018).

Alle hier angeführten Meinungen und Feststellungen wurden nach der Literatur zitiert und dem Deutschen Ärzteblatt 115 (2018) A130-A136 entnommen.   

 

 

 

 

 

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